DGUV V3: Pflicht, Fristen, Haftung

Die DGUV Vorschrift 3 (DGUV V3) verpflichtet Unternehmen zur regelmäßigen Prüfung elektrischer Anlagen und Betriebsmittel. Rechtsgrundlagen sind u. a. das Arbeitsschutzgesetz (§3 ArbSchG), die Betriebssicherheitsverordnung (§14 BetrSichV) sowie einschlägige DIN-VDE-Normen. Sobald Sie Mitarbeiter beschäftigen und elektrische Geräte nutzen, besteht in der Regel eine Prüfpflicht. Die Verantwortung trägt die Geschäftsführung.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist die DGUV Vorschrift 3?
  2. Gesetzliche Grundlagen
  3. Wer ist prüfpflichtig?
  4. Was muss geprüft werden?
  5. Wann und wie oft muss geprüft werden?
  6. Prüfung nach Instandsetzung oder Änderung
  7. Wer darf DGUV V3 Prüfungen durchführen?
  8. Ablauf einer DGUV V3 Prüfung
  9. Dokumentation & Nachweispflichten
  10. Was kostet eine DGUV V3 Prüfung?
  11. Welche Strafen drohen bei Verstoß?
  12. Häufige Missverständnisse (FAQ)
  13. Häufig gestellte Fragen (FAQ)
  14. Fazit

1. Was ist die DGUV Vorschrift 3?

Die DGUV Vorschrift 3 ist eine Unfallverhütungsvorschrift der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Früher bekannt als BGV A3, regelt sie die Sicherheit elektrischer Anlagen und Betriebsmittel im Unternehmen.

Ziel ist es:

  • ⚡ Elektrounfälle zu vermeiden
  • 🔥 Brandrisiken zu reduzieren
  • 👷 Mitarbeiterschutz sicherzustellen
  • ⚖ Haftungsrisiken zu minimieren
  • 📄 Rechtssicherheit gegenüber Behörden & Versicherungen zu gewährleisten

Auch scheinbar harmlose Geräte wie Kaffeemaschinen oder Mehrfachsteckdosen können im Fehlerfall lebensgefährlich sein.

2. Gesetzliche Grundlagen der DGUV V3

Die Prüfpflicht ergibt sich nicht nur aus einer einzelnen Vorschrift, sondern aus mehreren Rechtsquellen:

  • § 3 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
  • § 3 & § 14 Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
  • DGUV Vorschrift 3
  • DIN VDE 0701-0702 (Prüfung ortsveränderlicher Geräte)
  • DIN VDE 0105-100 (Betrieb elektrischer Anlagen)

📌 Wichtig: Die Prüffristen ergeben sich aus der Gefährdungsbeurteilung gemäß §3 BetrSichV. Es gibt keine pauschale Einheitsfrist – sondern eine risikobasierte Bewertung.

3. Wer ist prüfpflichtig?

Die DGUV V3 gilt für nahezu alle Unternehmen:

  • Gewerbebetriebe & Industrie
  • Büros & Agenturen
  • Handwerk & Baustellen
  • Gastronomie & Hotellerie
  • Arztpraxen & Kanzleien
  • Immobilienbesitzer mit gewerblicher Nutzung
  • Hausverwaltungen (Gemeinschaftsanlagen)

👉 Entscheidend ist nicht die Branche – sondern:

  • Beschäftigen Sie Mitarbeiter?
  • Nutzen Sie elektrische Geräte?
  • Betreiben Sie eine gewerbliche Tätigkeit?

Verantwortlich ist der Unternehmer bzw. die Geschäftsführung. Die Verantwortung kann nicht vollständig delegiert werden – auch bei externer Beauftragung.

4. Was wird bei der DGUV V3 geprüft?

4.1 Ortsveränderliche Betriebsmittel

Definition: Steckbar angeschlossene und bewegliche Geräte.

Beispiele:

  • Computer, Monitore, Drucker
  • Kaffeemaschinen, Wasserkocher
  • Verlängerungskabel, Mehrfachsteckdosen
  • Werkzeuge, Ladegeräte
  • Laborgeräte

Bereits ein einziges steckbares Gerät kann prüfpflichtig sein.

4.2 Ortsfeste elektrische Anlagen

Definition: Fest installierte oder dauerhaft montierte elektrische Anlagen.

Beispiele:

  • Unterverteilungen
  • Steckdosenkreise
  • Maschinenanlagen
  • Serverräume
  • Produktionsanlagen

5. Wann und wie oft muss geprüft werden?

Die Prüffrist ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung. Typische Richtwerte:

Bürogeräte
alle 24 Monate
Werkstätten / Baustellen
6–12 Monate
Produktionsumgebungen
meist jährlich
Ortsfeste Anlagen
bis zu 4 Jahre

⚠ Einflussfaktoren: Nutzungshäufigkeit, Staub/Feuchtigkeit/Hitze, mechanische Belastung, Fehlerquote vorheriger Prüfungen.

6. Prüfung nach Instandsetzung oder Änderung

Neben der wiederkehrenden Prüfung ist eine Prüfung erforderlich:

  • vor Erstinbetriebnahme
  • nach Reparatur
  • nach Umbau oder Änderung
  • nach Austausch von Bauteilen

Rechtsgrundlage: DIN VDE 0701-0702. Viele Unternehmen übersehen diesen Punkt.

7. Wer darf DGUV V3 Prüfungen durchführen?

Zulässig sind:

  • ✔ Elektrofachkräfte
  • ✔ Elektrotechnisch unterwiesene Personen unter Leitung/Aufsicht
  • ✔ Externe zertifizierte Prüfdienstleister

Nicht zulässig:

  • ❌ Hausmeister ohne Qualifikation
  • ❌ Reine Sichtprüfungen ohne Messung
  • ❌ Bürokräfte

Eine rechtssichere Prüfung beinhaltet Messprotokolle.

8. Ablauf einer DGUV V3 Prüfung

Sichtprüfung

Kabel, Stecker, Gehäuse, Beschädigungen

Messprüfung

Schutzleiterwiderstand, Isolationswiderstand, Schutzmaßnahmen

Funktionsprüfung

Gerät arbeitet bestimmungsgemäß

Dokumentation

Messwerte, Geräteliste, Prüfer, Datum

Ergebnis: ✅ Bestanden → Prüfplakette + Dokumentation | ❌ Nicht bestanden → Gerät außer Betrieb

9. Dokumentation & Nachweispflichten

Die Prüfplakette allein reicht nicht aus. Erforderlich sind:

  • Prüfprotokolle mit Messwerten
  • Geräteliste
  • Prüferangabe
  • Datum & nächste Prüffrist

📌 Die Dokumentation muss bei BG, Versicherung oder Behörden vorlegbar sein.

10. Was kostet eine DGUV V3 Prüfung?

Die Kosten hängen ab von:

  • Anzahl der Geräte
  • Standortstruktur
  • Art der Geräte
  • Prüfintervall
  • Dokumentationsaufwand

Typisch erfolgt die Abrechnung pro Gerät, pauschal pro Standort oder als Wartungsvertrag.

👉 Transparente Preisstrukturen schaffen Planungssicherheit.

11. Welche Strafen drohen bei Nichtdurchführung?

Bei Verstoß drohen:

  • ❌ Bußgelder
  • ❌ Regressforderungen der Versicherung
  • ❌ Persönliche Haftung der Geschäftsführung
  • ❌ Betriebsschließung bei grober Fahrlässigkeit
  • ❌ Strafrechtliche Konsequenzen bei Personenschäden

Im Schadensfall wird geprüft:

  • Wurde regelmäßig geprüft?
  • Ist die Dokumentation vollständig?
  • Wurde die Gefährdungsbeurteilung durchgeführt?

12. Häufige Missverständnisse

„Wir sind nur ein Büro."

→ Falsch. Auch Büros sind prüfpflichtig.

„Neue Geräte müssen nicht geprüft werden."

→ Falsch. Sie müssen bewertet oder geprüft werden.

„Die Prüfplakette reicht."

→ Falsch. Die Dokumentation ist entscheidend.

„Ich beauftrage extern – damit bin ich raus."

→ Falsch. Die Verantwortung bleibt bei der Geschäftsführung.

13. Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was kostet eine DGUV V3 Prüfung?

Die Kosten einer DGUV V3 Prüfung variieren je nach Anzahl der zu prüfenden Geräte, Standortstruktur und Prüfintervall. Typische Abrechnungsmodelle umfassen eine Pauschale pro Gerät (oft zwischen 2–8 Euro), eine Standortpauschale oder Wartungsverträge mit Fristenmanagement. Zusatzkosten können für Anfahrt, Dokumentation oder Nachprüfungen anfallen. Entscheidend ist Transparenz: Seriöse Anbieter erstellen vorab ein detailliertes Angebot basierend auf einer Bestandsaufnahme. Langfristig senken digitale Prüfplattformen und automatisierte Workflows die Gesamtkosten erheblich durch effizientere Prozesse und reduzierte Verwaltungsaufwände. Investitionen in präventive Prüfungen vermeiden teure Ausfälle und Haftungsrisiken.

Wie oft muss DGUV V3 Prüfung durchgeführt werden?

Die Prüffristen für DGUV V3 Prüfungen richten sich nach der Gefährdungsbeurteilung gemäß §3 Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Es gibt keine pauschale Einheitsfrist, sondern risikobasierte Richtwerte: Bürogeräte werden üblicherweise alle 24 Monate geprüft, Geräte in Werkstätten oder auf Baustellen alle 6–12 Monate, und ortsfeste Anlagen bis zu alle 4 Jahre. Einflussfaktoren sind Nutzungshäufigkeit, Umgebungsbedingungen (Staub, Feuchtigkeit, Hitze), mechanische Belastung und Fehlerquoten aus vorherigen Prüfungen. Kürzere Intervalle erhöhen die Sicherheit, während automatisierte Fristenüberwachung sicherstellt, dass keine Prüfung versäumt wird und rechtliche Anforderungen stets erfüllt bleiben.

Wer darf DGUV V3 Prüfungen durchführen?

DGUV V3 Prüfungen dürfen ausschließlich von qualifizierten Personen durchgeführt werden: Elektrofachkräfte mit entsprechender Ausbildung und Berufserfahrung, elektrotechnisch unterwiesene Personen unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft sowie externe zertifizierte Prüfdienstleister. Nicht zulässig sind Hausmeister ohne elektrotechnische Qualifikation, reine Sichtprüfungen ohne Messung oder Bürokräfte. Eine rechtssichere Prüfung erfordert zwingend Messprotokolle mit dokumentierten Werten für Schutzleiterwiderstand, Isolationswiderstand und weitere Schutzmaßnahmen gemäß DIN VDE 0701-0702. Die Prüfperson muss ihre Qualifikation nachweisen können und haftet für die ordnungsgemäße Durchführung der elektrischen Sicherheitsprüfung.

Was passiert wenn DGUV V3 nicht eingehalten wird?

Bei Nichteinhaltung der DGUV V3 drohen erhebliche Konsequenzen: Bußgelder durch Gewerbeaufsicht oder Berufsgenossenschaft, Regressforderungen der Versicherung im Schadensfall, persönliche Haftung der Geschäftsführung bei Fahrlässigkeit, Betriebsschließung bei groben Verstößen und strafrechtliche Verfolgung bei Personenschäden. Im Schadensfall prüfen Behörden systematisch, ob regelmäßig geprüft wurde, die Dokumentation vollständig vorliegt und eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt wurde. Fehlende Prüfnachweise führen zu Versicherungsausschluss und können existenzbedrohend sein. Die Verantwortung liegt grundsätzlich beim Unternehmer und kann nicht vollständig delegiert werden – selbst bei Beauftragung externer Dienstleister bleibt die Kontrollpflicht bestehen.

14. Fazit

Die DGUV V3 Prüfung ist kein bürokratischer Formalismus, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Compliance.

Sie schützt:

  • Ihre Mitarbeiter
  • Ihr Unternehmen
  • Ihre Geschäftsführung
  • Ihre Versicherungssicherheit

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